Weniger Bürokratie – schärfere Voraussetzungen für Kapitalgesellschaften – Das Bilanzrichtlinie-Umsetzungsgesetz (BilRUG)

Am 22.07.2015 wurde das BilRUG im Bundesgesetzblatt verkündet. Der versprochene Abbau der Bürokratiekosten wird vor allem durch Veränderungen der Schwellenwerte erreicht.

Einzelgewerbetreibende sind nicht buchführungspflichtig, wenn ihr Umsatz unter 600.000 EUR und der Gewinn unter 60.000 EUR bleibt. Sie können ihren Gewinn also mittels Einnahmen-Überschussrechnung ermitteln.

Eine Kapitalgesellschaft muss an mindestens 2 hintereinander liegenden Bilanzstichtagen mindestens 2 Werte unterschreiten, um sich einer der vier Größenklassen zuzuordnen. Beispiel: X-Gmbh erzielt 2013 und 2014 650.000 EUR Umsatz, die Bilanzsumme beträgt 325.000 EUR an und hat 9 Mitarbeiter. Somit wäre sie im KJ 2014 als KleinstKapG einzuordnen. Steigt der Gewinn nun in 2015 auf 360.000 EUR an und ein Mitarbeiter kommt dazu, könnte sie sich in 2015 nur noch als Kleine KapG einordnen.

Schwellen der Größenklassen nach § 267 HGB nach BilRUG

Es ist zu beachten, dass die erhöhten Schwellenwerte nur dann bereits rückwirkend für Wirtschaftsjahre die nach dem 31.12.2013 beginnen Anwendung finden dürfen, wenn zugleich mit den erhöhten Werten auch die neue Umsatzerlösdefinition angewendet wird. Die Definition der Umsätze von gewöhnliche für das Unternehmen typische Erlöse wird ausgeweitet auf alle Erlöse aus dem Verkauf und der Vermietung oder Verpachtung von Produkten sowie aus der Erbringung von Dienstleistungen. In die Berechnung der Bilanzsumme sind nunmehr die aktiven latenten Steuern einzubeziehen. Eine noch im Regierungsentwurf eingeräumte Möglichkeit, das BilRUG insgesamt vorzeitig anzuwenden, wurde gestrichen.

Für KleinstKapG und Kleine KapG gibt es folgende Erleichterungen beim Aufstellen der Jahresabschlüsse.

Erleichterungen im Jahresabschluss

Die übrigen geänderten Vorschriften und die §§ 267, 267a, 277 und 293 HGB-BilRUG, wenn sie nicht bereits vorzeitig Anwendung gefunden haben, sind für Geschäftsjahre, die nach dem 31.12.2015 beginnen, nun pflichtgemäß anzuwenden.

Teilweise kann durch die neuen Schwellenwerte großer Aufwand und Kosten gespart werden. Auch Steuerberaterkosten oder Kosten für die in § 3 Nr.1 bis 3 StBerG genannten Personen und Gesellschaften, die die Befugnis zur unbeschränkten Hilfeleistung in Steuersachen haben, für die Aufstellung des Jahresabschlusses können sich somit erheblich reduzieren.

So kann z.B. auch durch rechtzeitiges Reagieren die Bilanzsumme, der Umsatz oder die Anzahl der Mitarbeiter in die richtige Richtung gelenkt werden.
• Rechnungen können z.B. kurz vor dem Bilanzstichtag bezahlt werden, was sowohl Verbindlichkeiten, als auch Bankguthaben reduziert.
• Nicht mehr benötigtes Anlagevermögen oder Vorräte können verkauft werden und mit den Erlösen können Kredite oder andere Verbindlichkeiten getilgt werden.
• Gewinnvorträge können ausgeschüttet werden. Somit wird das Eigenkapital oder das Bankguthaben reduziert.
• Bonivereinbarungen mit Kunden können bereits im Dezember ausgezahlt werden.
• Lieferungen können in Absprache mit Kunden auf den ersten Monat des neuen Jahres verschoben werden.

Lesen Sie hierzu auch: Haufe.de

 

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